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Gebäudeenergiegesetz

Am 1. Januar 2024 soll eine Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) in Kraft treten. Sie sieht umfangreiche Neuerungen zu Heizungsanlagen vor. Was darüber heute schon bekannt und für Bauherren wichtig ist.

Seit März 2023 schlägt die Diskussion über die GEG-Novelle hohe Wellen. Immerhin bringt die geplante Einbindung erneuerbarer Energien bei der Heizung (65-EE-Pflicht) für Eigentümer hohen Kosten mit sich. Der Gesetzentwurf wurde mehrfach überarbeitet und wird voraussichtlich im September beschlossen. Es kann also noch Änderungen im Detail geben. Hier erfahren Sie, was bislang geplant ist.

Energetische Standards für Neubauten 

Die gute Nachricht ist: Zu Beginn des Jahres 2024 sind keine Veränderungen bei den energetischen Standards für Neubauten vorgesehen. Die wurden nämlich gerade erst erhöht. Seit 1. Januar 2023 gilt: Der zulässige Jahres-Primärenergiebedarf für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Kühlung in Neubauten beträgt 55 Prozent des Referenzgebäudes (zuvor: 75 Prozent). 

Wie Bauherren diesen Standard erfüllen, ist ihnen überlassen. Dabei darf nun auch Strom aus erneuerbaren Energien angerechnet werden, wenn er vollständig ins öffentliche Netz eingespeist wird. 

Die Anforderungen an den Wärmeschutz wurden zum Jahresbeginn 2023 nicht verändert. Für die Gebäudehülle sind also weiter die bis dato gültigen Werte relevant. Allerdings sind Neubauten in Neubaugebieten als erste von der 65-Prozent-EE-Pflicht betroffen, alle weiteren dann in den folgenden Jahren. Mehr dazu erfahren Sie weiter unten.

Energetische Standards in der Sanierung

Auch künftig gilt: Nach einer Sanierung muss ein Gebäude die Vorgaben des GEG nur dann erfüllen, wenn mehr als zehn Prozent der Bauteilfläche (zum Beispiel Dach, Fassade, Fenster) erneuert werden. In diesem Fall dürfen Bauherren bestimmte Höchstwerte für den so genannten U-Wert nicht überschreiten. Der U-Wert gibt an, wie gut der Wärmeschutz ist. 

Außerdem gelten heute schon – unabhängig von einer Sanierung – diverse Austausch- und Nachrüstpflichten. 

Lesen Sie hier mehr zur Sanierungspflicht.

Pflicht zur Nutzung Erneuerbarer Energien ab 2024

Ab 1. Januar 2024 soll möglichst jede neu eingebaute Heizung zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Diese Pflicht soll mit dem Inkrafttreten des Gesetzes jedoch zunächst nur für Neubauten in Neubaugebieten gelten. 

Eigentümer von allen anderen Neubauten und von Bestandsimmobilien haben mehr Zeit. Für sie wird die Umstellung auf eine klimafreundliche Heizung an die kommunale Wärmeplanung gekoppelt. Die wiederum wird in einem eigenen Gesetz geregelt, das ebenfalls noch nicht beschlossen ist. 

Nach dem aktuell vorliegenden Gesetzentwurf müssen Großstädte ab 100.000 Einwohnern bis Sommer 2026 und alle anderen Kommunen bis Sommer 2028 eine kommunale Wärmeplanung vorlegen. In mehreren Bundesländern gibt es allerdings Landesgesetze mit deutlich kürzeren Fristen.  Wenn Ihr Haus in einer Kommune steht, wo es aktuell keine Wärmeplanung gibt, dann dürfen Sie auch nach dem Inkrafttreten der GEG-Novelle bis zur Veröffentlichung der kommunalen Wärmeplanung weiterhin eine Gas- oder Ölheizung einbauen. Sie müssen dann aber sicherstellen, dass die Anlage ab 1. Januar 2029 mindestens 15 Prozent, ab 2035 mindestens 30 Prozent und ab 2040 mindestens 60 Prozent der Energie aus Biomasse oder auf Basis von grünem oder blauem Wasserstoff erzeugt.

Welche Heizung darf ich ab 2024 einbauen?

Das GEG regelt im Detail, welche neue Heizung im Neubau und im Bestand in Frage kommt und wann fossile Wärmeerzeuger erneuert werden müssen. Auch Übergangsfristen und Ausnahmen sind gesetzlich verankert. 

Wie oben erläutert, muss zunächst ab 1. Januar 2024 jede Heizungsanlage in einem Neubau, der in einem Neubaugebiet errichtet wird, mindestens 65 Prozent der bereit gestellten Wärme mit erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme erzeugen. 

Welche Heizungen diese Anforderungen erfüllen, listet das Gesetz auf: 

  • elektrisch angetriebene Wärmepumpe
  • Stromdirektheizung – bei allen Gebäuden, mit Ausnahme von Hallen und selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern, sind hier zusätzliche Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz zu erfüllen.
  • Wärmepumpen-Hybridheizung mit einem Brennwert-Spitzenlastkessel (Gas oder Flüssigbrennstoff). Der Heizlastanteil der Wärmepumpe muss mindestens 30 Prozent betragen.
  • Solarthermie in Kombination mit einem anderen EE-Wärmeerzeuger
  • Gas- oder Ölheizung, die mindestens 65 Prozent Biomethan oder biogenes Flüssiggas verwendet.
  • H2-ready-Gasheizung (Gasheizung, die auf 100 Volumenprozent Wasserstoff umrüstbar ist), wenn sie im Jahr 2030 mit mindestens 50 Prozent Biomethan oder Wasserstoff und spätestens ab 2035 mit mindestens 65 Prozent Wasserstoff betrieben wird und es außerdem einen rechtsverbindlichen Investitions- und Transformationsplan für Wasserstoffnetze gibt. 
  • Wasserstoffheizung mit grünem oder blauem Wasserstoff
  • Anschluss an ein Wärmenetz. Wenn im bestehenden Wärmenetz der EE-Anteil unter 65 Prozent liegt, muss der Netzbetreiber einen Transformationsplan vorlegen.
  • Anlage zur Nutzung fester Biomasse (z. B. Pelletheizung

Welche Heizungen sind ab 2024 verboten?

Ab 2024 dürfen die allermeisten Heizungen, die Wärme ausschließlich aus Heizöl oder Gas erzeugen, nicht mehr in Neubauten in Neubaugebieten eingebaut werden. Auch in Südwestfalen ist das für alle anderen Neubauten und Bestandsgebäude zunächst noch möglich, unter den oben geschilderten Vorbehalten. 

Gas- oder Öl-Brennwertkessel sind in Hybridsystemen mit einer Wärmepumpe weiterhin erlaubt, wenn sie die geforderten Anteile einhalten.Und in der Sanierung dürfen Eigentümer außerdem eine neue Gasheizung installieren, wenn sie auf den vollständigen Betrieb mit Wasserstoff umrüstbar ist.

Was müssen Eigentümer von Öl- und Gasheizungen im Siegerland und Sauerland ab 2024 beachten?

Eine grundsätzliche Austauschpflicht für ineffiziente alte Gasheizungen ist bereits im aktuell gültigen Gebäudeenergiegesetz verankert. Demnach müssen Heizkessel, die mit einem flüssigen oder gasförmigen Brennstoff betrieben werden, in der Regel 30 Jahre nach Einbau und Aufstellung außer Betrieb genommen werden (§ 72 GEG). 

Von dieser Austauschpflicht gibt es – auch künftig – zwei Ausnahmen: 

  • Niedertemperatur- und Brennwertkessel dürfen weiter betrieben werden. 
  • Eigentümer, die ihr Haus seit 1. Februar 2002 selbst bewohnen, sind nicht zum Tausch verpflichtet. Wenn sie die Immobilie vererben, verkaufen oder verschenken, hat der neue Eigentümer zwei Jahre Zeit für den Heizungstausch.

Auch die Novelle des Gesetzes bringt kein sofortiges Verbot für Wärmeerzeuger mit fossilen Brennstoffen. Alle Öl- und Gasheizungen, die in Betrieb sind, dürfen bis zum 31. Dezember 2044 betrieben und auch repariert werden. 

Geht die Gasheizung jedoch nach Inkrafttreten des neuen GEG komplett kaputt und ist sie nicht mehr funktionstüchtig, müssen Sie früher handeln. Im sogenannten Havariefall ist die fossile Heizung dann baldmöglichst durch eine neue Heizung zu ersetzen, die zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme betrieben wird. 

Welche Übergangsregeln gelten für die Heizungserneuerung?

Vor allem für den Havariefall sieht das GEG diverse Übergangsregeln und Ausnahmen vor. Schließlich kann es durchaus vorkommen, dass keine für Ihr Haus in Frage kommende neue Heizung verfügbar ist, Sie nicht sofort einen Installateur finden, Veränderungen am Gebäude notwendig sind oder der Anschluss an das Wärmenetz nicht unmittelbar umgesetzt werden kann. 

Welche weiteren Pflichten auf neue Eigentümer zukommen, erfahren Sie in unserem Text “Nachrüstpflichten: Das müssen Immobilienkäufer von Altbauten wissen“.

Welche Neuerungen kommen mit der GEG-Novelle noch auf Heizungseigentümer zu?

Für Gebäude mit mindestens sechs Wohnungen oder sonstigen selbständigen Nutzungseinheiten macht das Gesetz Vorgaben zur Heizungsprüfung und Heizungsoptimierung. Durch sie soll der effiziente Betrieb von Heizungsanlagen sichergestellt werden. 

Außerdem beinhaltet das GEG Regelungen zum Schutz von Mietern: 

  • Vermieter dürfen die Kosten für biogene Brennstoffe sowie blauen oder grünen Wasserstoff im Rahmen der Betriebskostenabrechnung nur bis zu der Höhe auf die Mieter umlegen, die für die Erzeugung der gleichen Menge an Heizwärme über eine hinreichend effiziente Wärmepumpe anfiele. 
  • Vermieter dürfen die Investitionskosten für eine Wärmepumpe nur dann im Rahmen der Modernisierungsumlage vollständig umlegen, wenn die Anlage eine Jahresarbeitszahl von mindestens 2,5 erreicht. Für ineffizientere Wärmepumpen sind nur 50 Prozent der Kosten umlagefähig. 

Sie wollen mehr über die Effizienz von Wärmepumpen erfahren? Dann lesen Sie unseren Ratgeber “Jahresarbeitszahl Wärmepumpe: JAZ verstehen und optimieren“.

Für welche Bauvorhaben gilt das neue GEG?

Das steht noch nicht genau fest. Entscheidend ist vor allem, wann genau das Gesetz in Kraft tritt. Nach den Plänen der Bundesregierung soll das am 1. Januar 2024 der Fall sein. Es gibt jedoch auch Stimmen aus den Ländern, die eine Verschiebung bis zum Jahr 2027 fordern. Gewissheit dazu gibt es erst nach der Abstimmung im Bundestag.

Für Bauvorhaben gilt üblicherweise: Wenn der Bauantrag nach Inkrafttreten eines Gesetzes gestellt wird, zählen die neuen Regelungen. Bezogen auf die Heizungserneuerung wird vermutlich der Termin der Auftragsvergabe entscheidend sein. 

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