Einbruchsicherung

Einbruchsicherung

© RainerFuhrmann

Einbruchsicherung: Wie Fenster maximalen Einbruchschutz bieten

Nur wenige Sekunden brauchen Einbrecher in der Regel, um in ein Haus in Südwestfalen zu gelangen. Dabei nehmen sie sich meistens die Fenster vor. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Fenster einbruchsicher machen können und worauf Sie achten sollten, wenn Sie neu bauen. Alles zu Aufschraubsicherungen, Pilzkopfzapfen und Co.

Wer sich vor Einbrechern schützen will, sollte als erstes an die Fenstersicherung denken. Denn laut Polizei nutzen in unserer Region rund 80 Prozent der Einbrecher Fenster oder Terrassentüren, um sich Zugang zu Haus oder Wohnung zu verschaffen. Dabei ist das typische Bild der zerstörten Fensterscheibe nur ein Klischee, meistens hebeln die Täter die Fenster einfach auf.

Dabei genügt in der Regel ein einfacher Schraubendreher, wie Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes, sagt. Der Schraubendreher sei “Einbrechers Liebling”.

Doch die gute Nachricht: Schon mit einfachen und nicht unbedingt teuren Maßnahmen können Sie Ihre Fenster nachrüsten. Wenn Sie neu bauen oder ohnehin eine Sanierung der Fenster geplant haben, können Sie direkt auf einbruchhemmende Fenster, beispielsweise mit einer Aufschraubsicherung, setzen.

Fenster mit Aufschraubsicherungen und Pilzkopfzapfen nachrüsten

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Ihre bestehenden Fenster sicherer zu machen. Das Ziel dabei: Eine Fenstersicherung, die es den Tätern schwer macht, sie zu überwinden. Denn alles, was Einbrecher Zeit kostet, verringert das Risiko, dass sie tatsächlich in die Wohnung gelangen. Einbrecher brauchen normalerweise nur einige Sekunden, um Fenster aufzuhebeln. Deshalb sollte die erste Maßnahme hier ansetzen.

Zur Nachrüstung empfiehlt Schmidt einbruchhemmende Fensterbeschläge – wie Aufschraubsicherungen oder Pilzkopfzapfen – in Verbindung mit abschließbaren Fenstergriffen.

Aufschraubsicherungen zum Einbruchschutz

Aufschraubsicherungen werden sowohl auf der Scharnier- als auch auf der Fenstergriffseite des Rahmens befestigt. Die Polizei empfiehlt hier Sicherungen nach DIN 18104 Teil 1 und eine Aufschraubsicherung pro laufendem Meter.

Der Vorteil: Aufschraubsicherungen sind vergleichsweise günstig und ab rund 30 Euro pro Stück zu haben.

Der Nachteil: Sie sind sichtbar. Das kann potenzielle Täter zwar abschrecken, ist für manche Menschen aber optisch störend.

Pilzkopfzapfen zur Fenstersicherung

Alle, die sich aus optischen Gründen gegen die Aufschraubsicherungen entscheiden, können ihre Fenster mit Pilzkopfzapfenbeschlägen nachrüsten. Die Zapfen am Flügel herkömmlicher Fenster haben die Form eines Zylinders. Diese Zapfen lassen sich leicht aus dem Schließstück am Rahmen hebeln. Pilzkopfzapfen haben – wie der Name schon sagt – die Form eines Pilzes. Dadurch verkeilen sie sich mit dem Schließstück und können nicht mehr aufgehebelt werden. Die Polizei empfiehlt Pilzkopfzapfen nach der Norm DIN 18104 Teil 2.

Pilzkopfzapfenverriegelungen sind aber um einiges teurer als Aufschraubsicherungen. Die Kosten für einen Nachrüstsatz bewegen sich pro Fenster mit den entsprechenden Schrauben zwischen 180 und 250 Euro. Dazu kommen gegebenenfalls noch Handwerkerkosten. Wenn Sie sowieso darüber nachdenken, Ihre Fenster auszutauschen, dann ist es oft sinnvoller, in neue Fenster mit Einbruchschutz zu investieren.

Abschließbare Fenstergriffe

Zusätzlich können Sie abschließbare Fenstergriffe anbringen. Auch die sind für rund 30 Euro pro Stück zu haben. Sie sollten aber der Norm DIN 18267 entsprechen und mindestens einem Drehmoment von 100 Nanometer widerstehen können, rät die Polizei. Wichtig: “Abschließbare Fenster bieten keinen Aufhebelschutz”, erklärt Harald Schmidt. 

Deshalb reichen sie allein als Fenstersicherung nicht aus. Allerdings schützen sie vor dem sogenannten Glasdurchgriff, bei dem der Einbrecher ein kleines Loch in die Scheibe schlägt, um das Fenster dann mit dem Griff zu öffnen.

Fensterglas gegen Einbrüche schützen

“Angriffe auf das Glas sind relativ selten der Fall”, sagt Schmidt. Trotzdem können Sie zusätzlich auch die Fensterscheibe schützen. Zum Beispiel mit einbruchhemmenden Sicherheitsfolien, die zersplitterte Scheiben zusammenhalten. 

Die Polizei rät zu Folien nach DIN EN 356. Die Folien sind so transparent, dass sie für Einbrecher nicht zu erkennen sind. Für den Quadratmeter müssen Sie hier mit mindestens 30 Euro rechnen.

Natürlich können Sie Ihre bestehenden Fenster auch mit einbruchhemmendem Glas nachrüsten. Dabei handelt es sich um eine besonders stabile Verglasung. Die Polizei empfiehlt hier ebenfalls Gläser nach der DIN EN 356 A. 

So zertifizierte Fenster müssen dem dreimaligen Aufprall einer 4,11 Kilo schweren Stahlkugel mit einem Durchmesser von zehn Zentimeter aus verschiedenen Höhen standhalten. Einbrecher haben so kaum eine Chance.

Die sicheren Fenster haben jedoch ihren Preis: Je nach Dicke müssen Sie mit 50 bis 120 Euro pro Quadratmeter für einbruchhemmendes Glas rechnen.

Förderung für das Nachrüsten von Fenstern

Alle Nachrüstungsmaßnahmen für Ihre Fenster können Sie sich mit einem Zuschuss der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördern lassen. Dabei ist das Programm 159 von der KFW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) maßgeblich. Es gewährt ein zinsgünstiges Darlehen bis zu 50.000 Euro für Maßnahmen zum Schutz vor Einbrüchen.

Fenstersicherung bei Neubau oder Sanierung

Wer beispielsweise in Marienheide, Hüsten oder Niederschelden um- oder gar neu baut, dem rät die südwestfälische Polizei dazu, direkt einbruchhemmende Fenster zu verwenden. Diese sollten nach DIN 1627 geprüft sein. “Dann ist sichergestellt, dass es in der Gesamtkonstruktion keinen Schwachpunkt gibt”, sagt Schmidt.

Die Norm unterscheidet mehrere Widerstandsklassen – kurz RC vom englischen “Resistance Class”. Im normalen Privatbereich empfiehlt die Polizei RC2-Fenster einzubauen. Diese Fenster haben Pilzkopfzapfen, einbruchhemmende Verglasung und meistens einen abschließbaren Fenstergriff. 

Wenn Sie sehr wertvolle Gegenstände in Ihrem Haus haben, dann können Sie auch auf Fenster der Klasse RC3 zurückgreifen. Bei denen ist das Glas noch stabiler und besitzt einen höheren Widerstandswert.

Die sieben nach DIN EN 1627 genormten Widerstandsklassen
WiderstandsklasseSchutzartWiderstandszeitArt des Angriffs
RC 1 NGrundschutznicht angegebennur Gewalteinwirkung durch Gegenspringen oder -treten, 
Öffnungsversuche ohne Werkzeuge
RC 2 Nhöherer Grundschutz – einfach3 MinutenSchraubendreher, Zange, Keil, Schutz vor Aufhebeln, 
kein Angriff auf die Verglasung
RC 2höherer Grundschutz – erweitert3 MinutenSchutz vor Aufhebeln mit Zange oder Schraubendreher, 
einbruchhemmendes Sicherheitsglas
RC 3erweiterter Schutz5 MinutenSchutz vor Aufhebeln mit professionellem Werkzeug wie 
Brecheisen, mit Sicherheitsglas
RC 4hoher Schutz10 MinutenSchutz vor Schlag- und Sägewerkzeug sowie Akkubohrer, 
mit Sicherheitsglas
RC 5sehr hoher Schutz15 Minutenwie RC 4, zusätzlich Schutz vor elektronischen Werkzeugen 
wie Bohrmaschine, Stich- und Säbelsäge oder Winkelschleifer 
mit maximalem Scheibendurchmesser von 125 mm
RC 6höchster Schutz20 Minutenwie RC 5, Schutz vor zusätzlichen Elektrowerkzeugen mit 
maximalem Scheibendurchmesser von 250 Millimeter

Natürlich sind einbruchhemmende Fenster teurer als herkömmliche Fenster. Wie viel, hängt von der Widerstandsklasse aber auch von der Größe und der Art des Fensters ab. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Sie bei RC2-Fenstern mit rund 40 Euro Aufpreis pro Quadratmeter für die Beschläge und 40 bis 100 Euro Aufpreis pro Quadratmeter für die Verglasung rechnen müssen.

Neben weiteren ausführlichen Informationen zum Thema Einbruchschutz finden Sie bei der Polizei NRW auch Adressen von Firmen, die Sicherungstechnik fachgerecht in der Region installieren.

Zuschüsse für neue Fenster

Den Einbau neuer Fenster- und Fenster­türen fördert die KfW ausschließlich in der Bundes­förderung für effiziente Gebäude (BEG) im Produkt Wohngebäude – Kredit (261). Alternativ können Sie bei Einzel­maßnahmen den Zuschuss des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhr­kontrolle (BAFA) wählen.

Welche Fenster müssen gegen Einbruch gesichert werden?

Grundsätzlich gilt es, ebenerdige Fenster besser zu sichern als die in den oberen Stockwerken. Klar, meistens kommen die Einbrecher auch über das Erdgeschoss ins Haus. Bei Fenstern, bei denen kein Angriff auf das Glas zu erwarten ist, genügt laut Polizei die Widerstandsklasse R 2 N, die einen Aufhebelschutz und abschließbare Fenstergriffe beinhaltet.

Bei Fenstern in oberen Geschossen genügen teilweise als Grundsicherung sogar RC1 N-Fenster, die lediglich einen Aufhebelschutz bieten. Das gilt laut Polizei aber nur, wenn die Einbrecher das Fenster nur mit einer Aufstieghilfe wie einer Leiter oder einer Mülltonne erreichen können.

Außerdem wichtig: Vergessen Sie bei der Fenstersicherung auch kleine Fenster, wie es sie oft in Toiletten gibt, nicht. Auch darüber können Einbrecher in Ihre Wohnung oder Ihr Haus gelangen.

Einbruchschutz Fenster: Was Sie immer beherzigen sollten

  • Fenster auch bei kurzer Abwesenheit immer schließen.
  • Gekippte Fenster sind für Einbrecher wie offene Fenster und für die Täter einfach und schnell zu öffnen.
  • Rollläden sollten nachts geschlossen werden, aber niemals tagsüber. Denn das suggeriert eine längere Abwesenheit.

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