Solarpflicht

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Solarpflicht in Deutschland: Was gilt in welchem Bundesland?

Immer mehr Bundesländer – und so auch Nordrhein Westfalen – führen eine Solarpflicht ein. Das heißt, bei Neubauten oder Sanierungen müssen Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach installiert werden. Doch welches Bundesland hat welche Bestimmungen? Ein Überblick plus die Vorteile und Nachteile der Solarpflicht in unserer Region.

Wie steht es mit der Solarpflicht in Deutschland? Muss man bei einem Neubau oder einer Dachsanierung als privater Bauherr in Olsberg, Altena oder Breitenbach zwingend auch eine Photovoltaikanlage installieren? Oder gilt das nur für Nichtwohngebäude? Wir verschaffen Ihnen einen Überblick über die derzeit gültigen Bestimmungen in den einzelnen Bundesländern.

Hamburg war einer der Vorreiter: Seit 2023 muss jeder Neubau in der Hansestadt mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet werden. Auch bei Bestandsgebäuden, bei denen das Dach erneuert wird, greift die Solarpflicht ab 2025. Diese Rechtsverordnung erließ der Stadtstaat schon Ende 2020.

Eine Entscheidung, die noch immer die Gemüter erhitzt. Ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz und die Energiewende sagen die einen. Eine Gefährdung des bezahlbaren Wohnens die anderen. 

Aber wer hat denn nun recht? Wir haben für Sie die wichtigsten Fakten gesammelt, was für und was gegen eine Solarpflicht spricht und listen auf, was in den anderen Bundesländern in Sachen Solarpflicht beschlossen wurde.

Was genau ist die Solarpflicht?

Zunächst: Solarpflicht ist nicht gleich Solarpflicht. Am Beispiel Hamburg zeigt sich, wie fein hier unterschieden wird. So gilt die Bestimmung seit 2023 zunächst für alle Neubauten – egal, ob es sich um Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser oder Gewerbebauten handelt. Ab 2025 müssen dann auch auf Bestandsbauten Photovoltaikanlagen installiert werden, wenn deren Dachhaut vollständig erneuert wird. 

Es gibt allerdings zahlreiche Ausnahmen, beispielsweise für Gebäude mit einer Bruttodachfläche unter 50 m². Die Solarpflicht entfällt auch, wenn die Installation mit anderen unvermeidbaren Nutzungen – etwa einer solarthermischen Anlage – konkurriert oder technisch unmöglich oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist.

Außerdem sollen sich die Anlagen amortisieren. Ist das in einem Zeitraum von 20 Jahren nachweislich nicht möglich, dann entfällt die Solarpflicht. Die Umweltbehörde gehe aber davon aus, dass sich viele Anlagen in einem deutlich kürzeren Zeitraum amortisieren und außerdem länger als 20 Jahre laufen können, heißt es von der Stadt Hamburg.

Eine Mindestgröße für die Anlagen soll es nicht geben. So soll die gewählte Anlage den wirtschaftlichen Interessen entsprechen und es soll auch möglich sein, das Dach für verschiedene Dinge zu nutzen. Die Hamburgische Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) schätzt, dass Hamburg mit der Solardach-Pflicht bis zum Jahr 2030 insgesamt 60.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen kann.

Bisher waren es in Deutschland vor allem Kommunen, die eine Solardach-Pflicht eingeführt haben. Nun haben einige Bundesländer nachgezogen. Weil es überall unterschiedliche Regelungen gibt, ist eine allgemeine Definition der Pflicht nicht möglich. So gelten überall unterschiedliche Ausnahmen, teilweise gibt es die Pflicht nur für Nichtwohngebäude beziehungsweise Gewerbebauten.

Solarpflicht in Deutschland: Wo sie bereits gilt, wo sie geplant ist

Hamburg ist zwar eines der ersten deutschen Bundesländer, das eine umfassende Solarpflicht bei Neubauten eingeführt hat aber keinesfalls die erste deutsche Stadt. Schon seit 2006 gibt es die Solardach-Pflicht im baden-württembergischen Waiblingen. In Tübingen besteht sie seit 2018. Hier eine Übersicht, welche Regeln in den einzelnen Bundesländern zur Solarpflicht gelten.

Übersicht: Die Solarpflicht in den Bundesländern

Solarpflicht in deutschen Bundesländern (Stand: 8/2023)
BundeslandSolarpflicht?gültig für
Baden-Württembergseit 2022/
seit 2023
Nicht-Wohngebäude, neue Wohngebäude
Wohngebäude (Sanierung)
Bayernseit 2023 / 
ab 2025
Nicht-Wohngebäude
Wohngebäude (Neubau und Sanierung)
Berlinseit 2023Wohngebäude, Sanierung
Brandenburgnein 
Bremenab 2024 /
ab 2025
Bestandsgebäude (Sanierung)
Neubauten
Hamburgseit 2023 /
ab 2025
Neubauten
Bestandsgebäude (Sanierung)
Hessenseit 2023 /
ab 2024
landeseigene Neubauten, Parkplätze
landeseigene Bestandsimmobilien
Mecklenburg-Vorpommernnein 
Niedersachsenseit 2023Neue Nicht-Wohngebäude, neue Wohngebäude (nur vorbereitende Maßnahmen)
Nordrhein-Westfalenseit 2022Parkflächen von Nicht-Wohngebäude
Rheinland-Pfalzseit 2023neue Nicht-Wohngebäude, gewerbezugehörige Parkplätze
Saarlandnein 
Sachsennein 
Sachsen-Anhaltnein 
Schleswig-Holsteinseit 2022Nicht-Wohngebäude (Neubau und Sanierung), Landesliegenschaften, große Parkplätze
Thüringennein 

Solarpflicht in Nordrhein-Westfalen: Das gilt in unserem Bundesland

Eine Solarpflicht galt seit 1. Januar 2022 erstmals nur für Parkflächen, die zu Nichtwohngebäuden gehörten. Und auch nur dann, wenn es um mehr als 35 Stellplätze ging. Inzwischen verpflichtet die Solardachpflicht in Nordrhein-Westfalen aber auch, Dächer von Wohngebäuden mit Photovoltaikanlagen auszustatten. Neubauten müssen somit ab 2025, Dachsanierungen bei Altbauten ab 2026, eine Photovoltaikanlage haben. Die genaue Größe der Anlage ist noch unklar, ebenso wie die Ausnahmen und Mietmodelle. Die Pflicht gilt für fast alle Gebäudeeigentümer in NRW, beginnend mit öffentlichen Gebäuden bis hin zu privaten Wohneigentümern. Auch Altbauten sind betroffen, es sei denn, bestimmte Voraussetzungen wie Denkmalschutz oder ungeeignete Dachflächen sind gegeben. Die Installationsgröße sollte das “technisch-wirtschaftliche Optimum” ausnutzen, obwohl genaue Vorgaben noch ausstehen. Die Pflicht kann auch auf anderen Außenflächen erfüllt werden. Kosten variieren, Solarthermieanlagen sind ebenfalls anerkannt. Die Rentabilität von Photovoltaikanlagen hängt von verschiedenen Faktoren ab, und Mietmodelle könnten die Pflicht erfüllen. Es gibt Ausnahmen, zum Beispiel bei kleinen Gebäuden oder technischer Unmöglichkeit, und Befreiungen können bei unangemessenen Kosten beantragt werden.

Wird es eine bundesweit einheitliche Solarpflicht geben?

Das ist durchaus wahrscheinlich. Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung heißt es: “Alle geeigneten Dachflächen sollen künftig für die Solarenergie genutzt werden. Bei gewerblichen Neubauten soll dies verpflichtend, bei privaten Neubauten soll es die Regel werden.”

Auf Dauer hätte eine Solarpflicht auf Bundesebene den Vorteil, dass deutschlandweit einheitliche Vorgaben gelten würden und der Anteil an Solarenergie dadurch noch schneller und unkomplizierter ausgebaut werden könnte. Bis es allerdings soweit ist, gelten die jeweiligen Bestimmungen des Bundeslandes.

Was plant die Europäische Union in Sachen Solarpflicht? 

Die EU hat schärfere Energievorgaben für den Gebäudesektor beschlossen, mit dem Ziel, bis 2050 klimaneutrale Gebäude zu erreichen. Ursprüngliche Pläne zur Sanierungspflicht für Hausbesitzer wurden jedoch verworfen. Ab 2030 sollen alle neuen Gebäude, ab 2028 öffentliche Gebäude klimaneutral sein. Eine allgemeine Vorgabe zur Senkung des Energieverbrauchs um 16% bis 2030 und 22% bis 2035 wurde vereinbart, wobei der Fokus auf energetisch schlechten Gebäuden liegt. Nur für Nicht-Wohngebäude besteht die Pflicht, die schlechtesten 16% bis 2033 zu renovieren, mit Solaranlagen- und Heizungsauflagen. Eine finanzielle Förderung für Gas- oder Ölheizungen entfällt ab 2025. Umweltverbände kritisieren mangelnde Strenge, während Haus & Grund und der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen erleichtert sind.

Wo gibt es international eine Solarpflicht?

Nicht nur in Deutschland gibt es bereits in Teilen die Solardach-Pflicht. Im US-Bundesstaat Kalifornien müssen seit 2020 alle neu errichteten Wohngebäude mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach oder an der Fassade ausgestattet werden.

Auch in Wien und in Barcelona wurde die Solarpflicht 2020 beschlossen. Und auf den spanischen Balearen müssen auf großen Dächern, Parkhäusern, Einkaufszentren und öffentlichen Gebäuden PV-Anlagen installiert werden. Überall da, wo eine Pflicht gilt, gibt es aber verschiedene Ausnahmen.

Was spricht für eine Solarpflicht?

Die Solardach-Pflicht hat viele Fürsprecher – und viele Argumente auf ihrer Seite.

Viel ungenutztes Potenzial

Solarenergie wird immer wichtiger. Und das nicht nur wegen des geplanten Ausstiegs aus fossilen Energiequellen. Auch der Ausbau der Windenergie stockt. 

Groß ist das Potenzial laut einer Analyse des Ökostrom-Anbieters Lichtblick in den Städten. So werde in München, Hamburg und Düsseldorf weniger als zehn Prozent des gesamten Flächenpotenzials genutzt. Denn: Es gibt kaum PV-Anlagen auf Neubauten.

Mit einer Solardach-Pflicht kann gegengesteuert werden und die Energiewende kommt auch in der Großstadt an. In unseren Städten wie z.B. Siegen, Lüdenscheid oder Schmallenberg sind PV-Anlagen auf den Dächern meistens der einzige Weg, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten.

Nicht nur in Städten wird derzeit nur ein geringes Potenzial für Solarenergie genutzt. So werden auch in Nordrhein-Westfalen aktuell nur sechs Prozent der möglichen Flächen genutzt – viel zu wenig, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

Die Zustimmung der Bürger ist da

Nicht nur Umweltverbände und Grüne wollen eine Solarpflicht – sondern offenbar auch die Bürger. 82 Prozent der Befragten befürworten laut einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag des Ökostromanbieters Lichtblick Solaranlagen auf allen Gewerbe-Neubauten. 80 Prozent unterstützen die Nutzung von Dachflächen auf Wohnungsneubauten.

Solarpflicht bei Neubau einfacher

Wer eine PV-Anlage beim Neubau gleich mit plant, spart gegenüber einer Nachrüstung Kosten und Aufwand. Denn es ist einfacher, einen Neubau auf die Solaranlage vorzubereiten. 

So bezieht auch ein Kostenplan die Anschaffung und Installation der Anlage direkt mit ein. Außerdem kann man die Statik, das Dach und die Ausrichtung des Hauses gleich so planen, dass die PV-Anlage so effizient wie möglich arbeiten kann.

Meistens lohnt sich die PV-Anlage finanziell

Auf Immobilien-Besitzer kommen zwar zunächst höhere Kosten durch eine PV-Anlage zu. Allerdings rechnet sich die Anlage, wenn der produzierte Strom nicht nur ins Netz eingespeist, sondern auch selbst genutzt wird. So kann man massiv Kosten bei Strom und Wärme sparen.

Hinzu kommt die Einspeisevergütung pro Kilowattstunde. Sie beträgt aktuell (Stand: August 2023) bei einer Anlagengröße bis 10 kWp 13,00 Cent, wenn der gesamte Strom eingespeist wird (Volleinspeisung) und 8,20 Cent, wenn ein Teil des Stroms selbst verbraucht wird (Teileinspeisung).

Nicht nur Eigentümer, sondern auch Mieter profitieren über das Mieterstrommodell von einer PV-Anlage auf dem Dach. Denn: Bei solarem Mieterstrom entfallen viele Bestandteile des Strompreises wie Netzentgelte. So kann der Strompreis günstiger werden.

Lesen Sie hier, mit welchen Kosten Sie bei einer Photovoltaik-Anlage rechnen müssen.

Was spricht gegen eine Solarpflicht?

Aber es gibt auch zahlreiche Kritiker der Pflicht, die negative Auswirkungen durch sie befürchten.

Andere Technologien geraten ins Hintertreffen

Die meisten aktuell existierenden Gesetze schreiben explizit Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern vor. Daher befürchten einige Kritiker, dass andere Technologien ins Hintertreffen geraten könnten. “Wenn der Staat jetzt auf Jahrzehnte hinaus eine Technik per Gesetz vorschreibt, hemmt er andere, möglicherweise sinnvollere Lösungen”, sagt Andreas Breitner, Direktor des Verband norddeutscher Wohnungsunternehmer (VNW)

“Wir wissen heute noch gar nicht, was in fünf oder zehn Jahren erfunden sein wird. Im Sinne der Umwelt muss es darum gehen, die sinnvollsten und effizientesten Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen.”

Bauen wird teurer

Unternehmerverbände und Verbände der Wohnungswirtschaft kritisieren die Pflicht zum Solarausbau. Neubauten würden teurer und Bauvorhaben dadurch gebremst, sagen Kritiker der Solarpflicht. Wenn der Bau teurer werde, dann würden auch die Mieten steigen, weil die Vermieter die Kosten auf ihre Mieter umlegen könnten.

Dabei wird allerdings außer Acht gelassen, dass die Mieter dafür von günstigerem Mieterstrom profitieren könnten.

Mehr Bürokratie

Umwelt- und Klimaschutz könne man eher durch Anreize anstatt durch Zwänge schaffen, sagen außerdem Unternehmerverbände. Schon jetzt gebe es im Zuge von Bauverfahren viel Bürokratie. Aus Sicht der Wirtschaft sei eine Solarpflicht weder zielführend noch sinnvoll, sagt Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin. 

Eine solare Energiewende würde nicht durch den Unwillen der Gebäudeeigentümer gebremst, “sondern durch den derzeit ungeeigneten und zu komplexen Rechtsrahmen”. Bauverfahren würden durch mehr Regulierung “immer unattraktiver”, was sich der Staat aufgrund des Baumangels nicht leisten könne.

Fazit: Was muss ich als Bauherr bei der Solarpflicht beachten?

Wer neu baut, der wird schon beim Bauantrag wissen, ob und in welcher Form sein Bauvorhaben unter die Solarpflicht fällt. Schwieriger wird es bei denen, die ihr Dach sanieren. Da kann es unter Umständen auch eine Pflicht zur Installation einer PV-Anlage geben.

Die dafür gültigen Bestimmungen sind dabei teils in speziellen Energie- und Klimaschutzgesetzen, teils in der Landesbauordnung verankert. Das macht es nicht einfacher. 

Erkundigen Sie sich vor einer umfangreichen Dachsanierung beim örtlichen Bauamt nach den gültigen Bestimmungen. Nehmen Sie die Hilfe eines Energieberaters in Anspruch und lassen Sie sich aus- und berechnen, wie Sie den Sonnenstrom am besten in Ihren Energiebedarf mit einbauen.

Zusätzliche Quellen:

www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-energievorhaben-gebaeude-100.html

www.wohneigentum.nrw/beitrag/solardachpflicht

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